Historie

Das war früher einmal

Die frühen Anfänge

Im 16. und 17. Jahrhundert zeigten sich im benachbarten Niederwenigern starke evangelische Neigungen. 1650 wurde von der Familie Ketteler die Betreuung der Vikarie dem Pfarrer zu Blankenstein übergeben. Bedingung war, dass er den Gottesdienst nach der lutherischen Konfession verrichte. Die kleine evangelische Gemeinde hat dann Jahrhunderte hindurch inmitten einer starken katholischen Mehrheit ein bescheidenes Dasein geführt. 1845 wird die Zahl der Evangelischen in den sechs Ortschaften Niederwenigern, Dumberg, Altendorf (dem heutigen Burgaltendorf), Byfang, Hinsbeck und Niederbonsfeld mit nur 340 angegeben. Durch die fortschreitende Industrialisierung wuchs die Gemeinde. So wurde anstelle der alten scheunenartigen Kirche eine neue mit über 300 Plätzen, einem grossen Turm und einer Orgel gebaut und 1875 eingeweiht. Doch Niederwenigern blieb bis 1945 eine kleine Diasporagemeinde mit ca. 1250 Gemeindegliedern, davon fast 60% in Altendorf (dem heutigen Burgaltendorf).

Am ersten Advent 1945 wurde der erste evangelische Gottesdienst in Altendorf in der inzwischen abgerissenen evangelischen Schule gefeiert. Durch den Zuzug vieler Vertriebener wuchs die Gemeinde bald auf 2 700 Gemeindeglieder, davon 1500 in Altendorf. 1952 wurde mit dem Bau einer Kirche in Altendorf begonnen. Die Einweihung unter Pfarrer Hegemann (Niederwenigern) und Präses Wilm erfolgte am 19. Juli 1953. Zwei kleine Glocken kamen 1954 dazu. Durch fleissige Spender des Kirchbauvereins wurde 1961 eine kleine Orgel angeschafft.  

Die erste ev. Kirchengemeinde in Burgaltendorf

Am 1. Januar 1970 wurde durch die Gebietsreform der Ort Altendorf/Ruhr in die Stadt Essen eingemeindet und erhielt den Namen Burgaltendorf. Seit dem 1. Juli 1971 wurde der evangelische Gemeindeteil in Burgaltendorf eine eigene Kirchengemeinde. Die Kirchengemeinde Essen-Burgaltendorf gliederte sich damit aus der westfälischen Kirche aus und wurde ein Teil der Evangelischen Kirche im Rheinland. Zum gleichen Termin erhielt die Gemeinde mit dem Gemeindemissionar Wilhelm Tocha auch ihren eigenen und ersten Prediger. Am 9. April 1972 wurde das erste Presbyterium gewählt. Einen Monat später erschien die erste Ausgabe des Gemeindebriefes "DER BOTE" – mit damals 8 Seiten noch vergleichsweise dünn. Das Ziel der Herausgeber war: Information und Verkündigung.  

Burgaltendorf war mittlerweile bevorzugtes Wohngebiet vieler junger Familien geworden. Daher wurde der Ruf nach einem Kindergarten immer dringlicher. Im Sommer 1974 wurde der Neubau, Auf dem Loh 21a, eingeweiht. Drei Gruppen mit je 30 Kindern fanden darin Platz – dadurch wurde nur die Hälfte der Anmeldungen abgedeckt! Inzwischen hatte sich dank der Bemühungen einiger Presbyter eine erfreuliche Jugendarbeit entwickelt. Da reichte das kleine Kirchlein bald nicht mehr aus.

1975 wurde eine Baracke neben Pfarrhaus und Kindergarten, auf dem Platz der heutigen Kirche, aufgestellt. Vor allem Jugendliche und Senioren nutzten sie für ihre Arbeit. Pastor Tocha musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Dienst vorzeitig aufgeben. Zweieinhalb Jahre dauerte es, bis das Presbyterium den für Burgaltendorf richtigen Pfarrer fand. In dieser langen Vakanz wurde die gesamte Gemeindearbeit mit vereinten Kräften aufrecht erhalten. Sonntag für Sonntag suchten wir uns einen Gastprediger. Wir sind an dieser Herausforderung sehr gereift. Am 1. Juli 1982 trat Pfarrer Jürgen Blunck aus Solingen den Dienst in unserer Gemeinde an. Mit ihm zogen seine Frau Brunhilde und fünf Kinder (zwei weitere blieben in Solingen) in das Pfarrhaus ein. Entscheidend für den Wechsel von Solingen nach Burgaltendorf war der Ruf des Presbyteriums, das eine biblisch - missionarische Gemeindearbeit wollte.

Die Gemeinde bekommt ein neues Zuhause

Ein herausragendes Ereignis in der Gemeindegeschichte ist zweifellos der Bau eines neuen Gemeindezentrums gewesen. Das Barackenprovisorium war mittlerweile durch Bodenfeuchtigkeit kaum noch nutzbar. Die Zahl der Gruppen wuchs. Außerdem litt die Kirche unter Bergschäden, ihr Erhalt war nicht mehr vertretbar.

Glücklicherweise waren wir im Besitz des Bauplatzes oberhalb des Pfarrhauses. Unter der Federführung der Baukirchmeister Dr. W. Kiwitt und R. Grotjohann konnte der Neubau des Gemeindezentrums in Rekordzeit von einem Jahr fertig gestellt und am 4. September 1988 mit einem Festgottesdienst eingeweiht werden. 

Der Name „Jesus-lebt-Kirche“ ist einzigartig in Deutschland und gleichzeitig Programm für eine lebendig-missionarische Gemeinde. Viele Gemeindeglieder haben bedauert, dass mit dem Verkauf der alten Kirche auch ein Stück Geschichte der evangelischen Gemeinde Burgaltendorf verschwand. Doch zugleich waren sie dankbar, dass Gott im neuen Gemeindehaus großartige Möglichkeiten schenkte. In einer langen Prozession wurden die beiden Kirchenglocken zur Jesus-lebt-Kirche gebracht. So haben wir aus den Anfängen der Gemeinde eine täglich hörbare Erinnerung.  

Auf der großen Glocke ist die Botschaft "O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort" (Jer. 22,29) eingraviert, auf der kleinen Glocke "Lasset euch versöhnen mit Gott" (2.Kor.5,20).